Konzept des

 

 

Waldorfkindergartens Benefeld

 

 

 

Unser Leitbild

 

„Erziehung ist Beispiel und Liebe, sonst nichts“

(Fröbel)

 

 

Die Grundlage und Quelle für unsere pädagogische Arbeit ist die anthroposophische Menschenkunde Rudolf Steiners. Aus diesem tiefen Verständnis für das Wesen des kleinen Kindes und seine Entwicklung sehen wir unsere Aufgabe darin, jedes Kind körperlich, seelisch und geistig in seiner Entwicklung zu stärken mit allem Respekt für individuelle und kulturelle Unterschiede. Der Waldorfkindergarten Benefeld möchte familienergänzend einen entschleunigten Lebensraum schaffen, in dem sich das Kind altersentsprechend und gesund entwickeln und in vertrauensvoller Atmosphäre eine stabile Beziehung zu sich und der Welt entfalten kann.

 

Die Rhythmisierung aller Lebensprozesse, das intensive Erleben der Natur und der Jahreszeiten mit ihren christlichen Jahresfesten ist für uns ein Leitfaden in unserer Arbeit und gibt dem sich entwickelnden Kind eine haltgebende Orientierung.

Neben den allgemein gesundheitsfördernden Aspekten unserer Pädagogik ist uns das Begleiten und Integrieren von Kindern mit besonderem Förderbedarf ein wichtiges Anliegen. Wir streben eine inklusive Heilpädagogik an, die auf eine menschlich und fachlich begründete Wahrnehmung und Hilfe ausgerichtet ist.

 

Unser Ziel ist es mit den Eltern einen offenen, vertrauensvollen Austausch und eine gute Zusammenarbeit in der gemeinsamen Verantwortung für die uns anvertrauten Kinder zu pflegen. Um die vielfältigen Aufgaben im Sinne der Kinder erfüllen zu können, bedarf es der Mitarbeit der Eltern in den verschiedenen Organen des Vereins und das Erleben der Gemeinschaft bei Festen und Veranstaltungen.

 

Eine achtsame Haltung dem Leben gegenüber, sowie das Wissen um die Vorbildwirkung des Erwachsenen auf das Kind und die damit verbundene Selbsterziehung, wird von allen pädagogischen Mitarbeitern als wichtiger Teil der Pädagogik anerkannt und gelebt.

 

Die Mitarbeiter des Waldorfkindergarten Benefeld verpflichten sich als selbstverwaltendes Team eigenverantwortlich alle  Aufgaben im Sinne des Leitbildes zu erfüllen. Der Träger stellt sicher, dass die Mitarbeiter regelmäßig interne und externe waldorfpädagogische Fortbildungen besuchen, um eine zeitgemäße Gestaltung unserer Aufgaben und Ziele zu ermöglichen.

 

Zur Pädagogik

 

 

„Wenn das Erziehen wirklich kraftvoll sein soll,

so muss es das, was im Menschen  aus dem tiefen

inneren seiner Wesenheit als Kindheit sich

herausentwickeln muss, in richtiger Weise pflegen.“

Rudolf Steiner (1922)

 

 

 

 

Im Mittelpunkt unseres pädagogischen Handelns steht das Kind und seine Individualität.

Dr. Rudolf Steiner, hat die körperliche, seelische und geistige Entwicklung des Menschen wissenschaftlich und spirituell erfasst, und aus dieser Erkenntnis heraus eine neue Form der Pädagogik geprägt: die Waldorfpädagogik, welche unsere Arbeitsgrundlage ist.

Wir sind ein christlich ausgerichteter Kindergarten ohne konfessionelle Bindung.

Aus diesen allumfassenden Grundlagen sollen im Folgenden einige wichtige Anhaltspunkte beschrieben werden, die das kindliche Wesen in besonderer Weise berücksichtigen.

 

Vorbild und Nachahmung

Die Lernkraft des kleinen Kindes ist die Nachahmung und somit für uns eines der wichtigsten pädagogischen Mittel, um die Kinder zur Tätigkeit und zum Erlernen sozialer Fähigkeiten zu führen. Als tätiges Vorbild in allen Situationen bemüht sich die Erzieherin die Kinder durch den Kindergartenablauf zu führen, indem sie auf die besondere Qualität ihrer Bewegungen,

Gesten und Sprache achtet und alle Handlungen mit den Kindern in einfachen nachvollziehbaren Schritten vorlebt.

Dadurch, dass das Kind über die Nachahmung immer direkt in seinem Bewegungs- und Tatendrang angesprochen wird, helfen wir ihm bei der Ausbildung und Ergreifung seiner

Willenskräfte, die stärkend in alle weiteren Lebensabschnitte fortwirken. Sind die Nachahmungskräfte einzelner Kinder geschwächt, wollen wir diese durch gezielte

Bewegungsanregungen mit direkter Hilfestellung neu im Kinde wachrufen, damit ihnen diese wertvolle Lernqualität nicht verloren geht.

Stehen die Kinder kurz vor der Einschulung werden neben der Nachahmung auch das Erwachen ihrer Vorstellung in bildhafter Weise (Rätsel, Märchen) genährt, und gleichzeitig

ihr Wille nach Körperlicher Ertüchtigung durch gezielte Anforderungen (Seilspringen, Stelzenlaufen, Regelspiele, Weben etc. ) unterstützt.

 

Rhythmus und Wiederholung

Rhythmus und Wiederholung wirken immer harmonisierend, sogar heilend auf den kindlichen Organismus und auch im Seelischen erfährt das Kind eine verlässliche Geborgenheit und kann sich dadurch innerlich frei und unbeschwert entwickeln.

Die durchweg rhythmische Gestaltung des Kindergartengeschehens (Tages-, Wochen- und Jahreslauf) entspricht dem Verlangen des kleinen Kindes nach Wiederholung und pflegt die Lebenskräfte (seelisches Ein- und Ausatmen durch Wechsel von Freispiel und geführtem Teil) und gute Gewohnheiten (z.B.: gemeinsamer Beginn und Abschluss des Essens, Begrüßung und Verabschiedung jedes einzelnen Kindes).

Bei den Tätigkeiten mit den Kindern ist die Erzieherin bemüht viele alltägliche wiederkehrende Dinge ( Kochen, Staubwischen, Bügeln, Spielzeugpflege, Pflanzen, Säen. ..) zu beleben, die sich stimmig und sinnvoll in den Tagesablauf integrieren und mit besonderer Rücksicht auf die Ausbildung und Pflege der Basissinne (s. Sinnespflege) des kleinen Kindes ausgeführt werden.

Der Jahreslauf mit seinen Jahreszeiten und christlichen Festen ist unser thematischer Leitfaden durch das Kindergartenjahr (s. Der große Rhythmus durch das Jahr).

 

Künstlerisches Gestalten

Kleine Verse und Lieder begleiten viele Tätigkeiten und finden so einen künstlerischen Ausdruck auch in den rhythmisch-musikalischen Angeboten wie Reigen, Handgestenspielen, Geschichtenerzählen, Puppenspiel und Eurythmie. Eine große Vielfalt an Liedkultur und Dichtkunst wird den Kindern zugänglich gemacht.

 

Hier können die Kinder verschiedene Stimmungen wie Freude, Dankbarkeit und Ehrfurcht erleben und erfahren durch die tägliche Wiederholung eine Festigung dieser Seelenhaltungen. Besonders zu den Festezeiten im Jahreslauf wird dadurch den Kindern ein tiefes Erleben der jeweiligen Festestimmung ermöglicht.

Das freie Malen mit Wachsmalblöcken oder Wasserfarben, sowie das Plastizieren mit Bienenwachsknete entspringt ganz frei den individuellen Nachahme- und Bildekräften der Kinder, nur durch den künstlerisch arbeitenden Erwachsenen angeregt.

In dem Wissen, dass künstlerische und sinnvolle Tätigkeiten der Erwachsenen die Kinder neben dem Mittun auch zu einem schöpferisch, phantasiereichen Spiel anregt, ist die Erzieherin immer zur (künstlerischen) Selbsterziehung und Vorbildfunktion aufgerufen.

Das schöpferisch freie Spiel der Kinder hat einen großen Stellenwert und wird als eines der wichtigsten entwicklungsfördernden und fantasiebildenden Tätigkeiten betrachtet. Natürliches, freilassendes Spielmaterial und eine gute, gesunde Raumqualität, zu der auch das jahreszeitliche Gestalten der Räume mit frischen Blumen und schönen Kunstdrucken gehört, sollen hier beste Entfaltungsmöglichkeiten für das kindliche Spiel schaffen.

 

Die Erziehung als eine Kunst zu begreifen und jedes Kind in seiner individuellen körperlichen, seelischen und geistigen Entwicklung zu unterstützen, ist das tiefe Anliegen der Waldorfpädagogik.

 

Das freie schöpferische Spiel als Grundlage

für Selbstbildung

Im Mittelpunkt des Tagesablaufes im Waldorfkindergarten steht das Spiel in seinen vielfältigen Variationen. Spielen kann und muss dabei mehr sein, als ein einfacher Zeitvertreib, soll den Bedürfnissen und der Entwicklung der Kinder Rechnung getragen werden. Bei genauer Beobachtung ist erkennbar, wie ernsthaft sich Kinder auf Spielsituationen einlassen, und wie sie vor allem dann tief befriedigt ein Spiel beenden, wenn sie etwas daraus oder daran gelernt haben.  Im Gegensatz zu Erwachsenen, die sich von einem Spiel meist gute Unterhaltung und Zerstreuung erhoffen, geht es Kindern darum Stück für Stück sich die Welt - und sich selbst- zu eigen zu machen. Der Begriff des ,,Lernens“ muss weiter gefasst, und nicht nur mit ,,stillsitzen" und „angestrengtem Nachdenken“ gleichgestellt werden.

 

Nie lernt ein Mensch schneller als in den ersten Lebensjahren, und nie ist er so offen, „ganz Sinnesorgan“, mit der Umwelt noch nahtlos verbunden. Dementsprechend sollte auch die Umgebung gestaltet sein:

 

Qualität statt Quantität - das gilt auch für die Qualität der Eindrücke, um die Kinder, die noch

keinen starken Halt in ihrem Inneren haben, nicht zu überfordern.

 

Anspruchsvoll und von guter Qualität soll sein, was den Kindern entgegentritt. So kann in diesen ersten Jahren der Orientierung in der Welt eine solide Basis und ein gesundes Empfinden für die Wahrhaftigkeit der eigenen Sinneseindrücke angelegt werden.

 

Dass etwas ,,so ist, wie es erscheint", also z.B. ein Holztisch wirklich einer ist, mit der

naturgemäßen Schwere, Elastizität, Belastbarkeit, Wärme, und nicht eine Kunststoffnachbildung mit völlig Holz-untypischen Qualitäten, vermittelt ein Vertrauen in die eigenen Sinne. An echten natürlichen Dingen können diese sich fein und differenziert ausbilden.

 

Was für das allgemeine Lebensumfeld gilt, gilt insbesondere auch für die Art und Beschaffenheit des Spielzeugs, denn wie alle Eltern wissen, kann für Kinder alles ein Spielzeug sein. Auf drei Kriterien wird im Waldorfkindergarten bei der Auswahl des Spielzeugs besonders geachtet:

1.  Innere Wert und äußeres Erscheinungsbild sollen übereinstimmen

2.  Eine sinnvolle Beschäftigung soll damit möglich sein, d.h. das Kind soll etwas Altersgemäßes daran lernen können, nicht nur unterhalten werden.

3.  Nicht „das Spielzeug spielt, das Kind schaut zu“, sondern das Spielmaterial gibt die Grundlage, einen Anhaltspunkt, an dem sich das Kind aus eigenem Antrieb heraus spielerisch mit der Welt vertraut machen kann.

 

Diese Eigenaktivität zu fördern ist eines der größten Anliegen der Waldorfpädagogik. Nur was wir uns selbst erworben, angeeignet haben kommt unserer Entwicklung zugute. Wer im handwerklichen, sportlichen oder künstlerischen Bereich Erfahrungen gesammelt hat, kennt den Unterschied zwischen reinem Wissen über Etwas und dem tatsächlichen Tun.

Schritt für Schritt finden die Kinder in ihrer Entwicklung mehr zu sich, dementsprechend

wandelt sich auch ihr Spiel von der völlig unbewussten Nachahmung des Säuglings, der z. B. ein Lächeln in seiner unmittelbaren Nachahmung einfach erwidert, bis hin zur bewussten Nachahmung großer Vorbilder bei Jugendlichen, verläuft ein fein abgestufter Entwicklungsweg.

In den ersten Jahren im Kindergarten wird das Spiel noch stark vom sichtbaren Vorbild bestimmt. Das sinnvolle Tun der Erwachsenen will nachgeahmt werden.

Dazu bedarf es aber nicht einer perfekten, funktionsfähigen und maßstabsgetreuen Nachbildung z.B. der Küche oder Werkstatt. Denn eine Kraft, eine zutiefst menschliche Eigenschaft muss ebenfalls gefordert werden: die Fantasie.

 

Nachahmen ist eben kein mechanisches Kopieren von Bewegungsabläufen und

Verhaltensweisen, sondern immer ein hingebungsvolles Eintauchen und individualisiertes Wieder-Geben.  Diese persönliche Note, die eigenständige Art des Tuns, entwickelt sich bei anregendem, aber immer noch freilassenden Spielzeug am Besten. Einfache Holzstücke, die nur entfernt an einen konkreten Gebrauchsgegenstand aus der Erwachsenenwelt erinnern, lassen den Nachahmungstrieb der Kinder mehr Freiraum. Sie geben die Anregung, die Kinder in diesem Alter noch brauchen, aber auch den nötigen Freiraum für die Fantasiekräfte. Wenn diese sich nicht betätigen können, führt dies schnell zu Langeweile und zum immer schnelleren Wunsch nach neuen Anregungen.

 

Der Aspekt der Wandelbarkeit des Spielzeugs spielt ebenfalls eine große Rolle: Da die

Fantasie der Kinder sich ständig an Dingen, die ins Blickfeld rücken, entzündet, müssen die verwendeten Spielzeuge vielfältig wandelbar einzusetzen sein, d.h., so wenig wie möglich auf eine einzelne Verwendung beschränkt sein. Nur dann können Spielprozesse ungestört ablaufen ohne die ständige Unterbrechung bei der Suche nach dem ,,passenden" Spielzeug. Und nur dann kann sich bei den Kindern das Glücksgefühl einstellen, etwas Echtes gemacht zu haben. Das ,,machen" bezieht sich hier vor allem auf die innere, fantasievolle Ergänzung des Gegenstands zum gerade für das Spiel benötigten Objekt. (z. B. Stock wird zum Brotmesser, dann Zug, ...)

 

Während das bis hier Dargestellte in erster Linie für die jüngeren Kindergartenkinder gültig ist, tritt etwa ab dem fünften Lebensjahr eine deutliche Veränderung auf. Immer mehr finden die Kinder zu sich und spiegeln nicht mehr so unmittelbar das äußere Geschehen. Immer weniger brauchen sie die direkte Anregung, das sichtbare Vorbild für ihr Spiel. Zunehmend suchen sie gezielt aus der Erinnerung heraus nach Dingen, die sie für eine bestimmte Spielsituation benötigen:

Unabhängig von Ort und Zeit werden erlebte oder erdachte Situationen nachgespielt, es

entstehen erstmals ganze Handlungsabläufe, das Spiel wird freier und ausdauernder. Auch hier hat die Fantasie einen herausragenden Stellenwert, sie ist der Schlüssel zum einen bei der Zusammenstellung und Verwendung der Hilfsmittel (wie unendlich vielfältig kann z. B. ein einfaches Tuch eingesetzt werden!), zum anderen beim Spiel selbst, wo sich aus derselben Spielsituation heraus immer wieder völlig neue Handlungsabläufe entwickeln können.

 

Des Weiteren übt sich das spielende Kind stetig in Kommunikation und Ausdrucksfähigkeit, da es im fantasievollen Rollenspiel nur in Absprache mit seinen Spielpartnern agieren kann. Auch die Sozialfähigkeit entwickeln die Kinder kontinuierlich in der Auseinandersetzung mit ihren Spielpartnern und den gemeinsam erdachten Regeln und Handlungsabläufen. Dass das Rollenspiel nur Freude macht, wenn jeder seinen Part hat und sowohl Rücksicht als auch Führung der Situation angemessen gebraucht wird, ist ein Lernprozess. Auch ein gesundes Maß an Bindung und Abgrenzung zu finden ist immer Teil des Spiels. Alle zwischenmenschlichen Bereiche werden so im Kleinen erprobt und erlernt.

 

Im selben Maße. wie die Kinder sich in ihrem Körper sicherer fühlen, und sich freier bewegen können, werden auch die körperlichen Grenzen täglich erprobt und Stück für Stück ausgeweitet. Es wird gelaufen, geklettert, balanciert, auf jede erdenkliche Art die Beherrschung des Körpers mit einer für Erwachsene kaum leistbaren Ausdauer und Begeisterung vervollkommnet. Diesem aktiven, lebhaften Spiel wird ebenfalls im Tagesablauf viel Raum gelassen, Kinder sind nun mal in erster Linie Bewegungsmenschen.

Die vielfältige Körperertüchtigung und differenzierte Bewegung schafft die leibliche Grundlage (z. B:Ausbildung der Synabsen) auch für geistige Entwicklung.

 

Die Entwicklung des Denkens wird über die Förderung körperlicher Entwicklung grundlegend  gestärkt und wird bewusst auf diesem Wege und nicht auf der rein intellektuellen Ebene erzielt.

 

Der gesamte Bereich des Fühlens, des inneren Seelenraumes bedarf einer behutsamen und kontinuierlichen Pflege und Unterstützung (durch die pädagogischen Mitarbeiter) Im Ablauf der Woche sind viele solcher Haltepunkte verankert, an denen gemalt, bei Reigenspielen gesungen und getanzt, musiziert oder einem Märchen gelauscht wird. Für die Kinder sind das meist geliebte und unverzichtbare Momente der inneren Ruhe, des zu-sich-kommens im lebhaften Tagesablauf. Weniger der Einzelne, als vielmehr die Gemeinschaft steht hier im Mittelpunkt - schon früh kann hier angelegt werden, was ein Leben lang trägt.

Entscheidend ist bei allem Tun aber das richtige Verhältnis von gezielter Aktivität und erfüllter Ruhe. Wie schon Goethe wusste, ist ,,im Atemholen zweierlei“ - ein- und ausatmen der Polaritäten, die nicht nur im Kindergartenalter, sondern im ganzen Leben in einem gesunden Verhältnis stehen.

 


 

Die Sinne als Tor zur Welt

In unserem Waldorf-Kindergarten kommt der Pflege der Sinne eine besondere Bedeutung zu.

Sie stellt ein wichtiges Element dar, damit die Kinder zu selbst- bewussten und aktiv- lebendig denkenden und handelnden Menschen heranwachsen. Die Sinnes-Pflege ist in den Tages-, Wochen-, Monats- und Jahreslauf integriert und Bestandteil unserer Arbeit.

 

Rudolf Steiner beschreibt zwölf Sinne:

Die zwölf Sinne gliedern sich in drei mal vier Sinne, die in der Entwicklung besondere Berücksichtigung erfahren.

Die sogenannten unteren Sinne oder Basissinne werden im Vorschulalter schwerpunktmäßig gefördert, dies sind der Tastsinn, der Gleichgewichtssinn, der Eigenbewegungssinn (Raum-Lage-Sinn) und der Lebenssinn (Vitalsinn). Die Basissinne beziehen sich alle auf die Ausbildung des Leibes. Eine gesunde Eigenwahrnehmung ist die Grundlage für die Stabilität jeder weiteren Entwicklung und somit ein Schwerpunkt in unserer Sinnespflege im Vorschulalter.

Die besondere Qualität und Wahrhaftigkeit der Materialien im gesamten Kindergarten ermöglicht den Kindern vielfältige Tasterlebnisse und stärkt das Vertrauen in die eigene Wahrnehmung.

Im täglichen Spiel werden die unterschiedlichsten Tasterfahrungen gemacht an unseren naturbelassenen Materialien wie: Kastanien, Muscheln, Wurzelhölzer, Baumrinde, Seide, Wolle uvm.

Beim Plastizieren und Formen z.B. mit Ton, Lehm, Erde und Bienenwachs kommt das Kind seinem Grundbedürfnis nach, selbst zu gestalten und es werden Phantasie und die Vorstellungskräfte des Kindes angeregt. Es bekommt innere Bilder. Auch das Gestalten mit Wolle, insbesondere mit Märchenwolle ist eine wohltuende Tätigkeit, sowohl für den Tastsinn/die Berührung als auch für das Auge und den Geruchsinn durch den Eigengeruch der natürlichen Dinge.

In der Auseinandersetzung mit dem Tastsinn ist die Wahrnehmung der eigenen Körpergrenzen das, was die Kinder befähigt Selbstsicherheit zu erwerben.

In der Freispielzeit, sowohl täglich im Wald als auch im Garten, werden Eigenbewegungs-

und Gleichgewichtssinn, z.B. beim Schaukeln, Klettern, Wandern und Seilspringen, angeregt.

Das Bauen mit den natürlich gewachsenen Bauhölzern, die alle anders geformt sind und selten eine ebene Fläche haben, stellt eine besondere Herausforderung an den Gleichgewichtssinn der Kinder und befähigt sie, feine Wahrnehmungen für das Gleichgewicht und die eigene Geschicklichkeit auszubilden. Dies wiederum hat eine stärkende Auswirkung auf das seelische Gleichgewicht im werdenden Menschen und schärft die Wahrnehmung für das Kräfteverhältnis  der Dinge in der Umgebung.

Diese Sinne bilden die Grundlage für mathematische und geometrische Fähigkeiten im

späteren Schulalter.

 

Die Pflege der „Lebensrhythmen" im Tages-, Wochen-, Jahres- und Jahresfestelauf stärkt den Lebenssinn der Kinder und trägt zum Auf- und Ausbau der inneren Organe, z.B. von Herz und Lunge als Rhythmusorgane für Puls und Atem; Leber und Gehirn als Verdauungs- und Denkorgane, bei. Uns liegt viel daran, dass die Kinder einen gesunden Lebenssinn entwickeln können. Heiterkeit und Fröhlichkeit im Umfeld des Kindes stärkt den Lebenssinn.  Die praktische Umsetzung dieser inneren Gestimmtheit ist zugleich Pflege des Lebenssinns.

Farben und Formen in der Raumgestaltung sind ebenso gesundheitsfördernd wie die Ernährung mit biologisch-dynamischen Lebensmitteln. Eine ruhige Atmosphäre beim gemeinsamen Essen und die Achtung und Dankbarkeit im Umgang mit den Lebensmitteln pflegen wir in gemeinsamen Ritualen (z. B. Tischspruch). Jede Form von Rhythmus und Ritual stärken unsere natürlichen Lebensrhythmen und gibt ihnen Qualität und Wertigkeit, so dass das Kind eine Orientierung und Rhythmisierung seiner Lebensprozesse ausbilden kann.

 

Die weiteren acht Sinne gruppiert Rudolf Steiner in zwei mal vier Sinne die einmal stark mit dem Gefühlsleben und dann mit dem Denken verknüpft sind.

Zu den mittleren Gefühlssinnen gehören der Geruchssinn, der Geschmackssinn, der Sehsinn und der Wärmesinn.

Zu den oberen Denksinnen gehören der Gehörsinn, der Wortsinn, Gedankenwahrnehmungssinn und der Ich- Sinn.

Auch diese Sinne werden natürlich von Beginn an im Menschen angelegt und auch gepflegt. Die Basissinne haben jedoch, wie ihr Name schon sagt und oben erläutert wird, ihre besondere Stellung im Vorschulalter.

Die Kinder machen vielfältige Sinnes- Erfahrungen, z.B. über ihre Hände (Tasten), ihre

Nase ( Riechen), den Mund (Schmecken).

All dies geschieht z.B. beim gemeinsamen Brötchenbacken, beim Anrühren und Kneten des Teiges und beim Schneiden des Obstes für das Müsli. Dabei wird die Entwicklung des Geruchs- und Geschmackssinns gefordert. Gleichzeitig erleben sie die Gemeinschaft (Soziales Lernen, alle Sinne!), welches sich positiv auf das Wohlbefinden des Kindes auswirkt. Einen wichtigen Bestandteil des Kindergartenvormittags bilden Geschichten, Märchen, Reigen, Eurythmie als Bewegungskunstform sowie Handgesten-, Bewegungs- und Gegenüberspiele, die Wahrnehmung anregen und im Besonderen die Denksinne kindgerecht pflegen.

Die Pflege und das Wecken der musisch- künstlerischen Kräfte sind ein wichtiger Bestandteil in unserer Arbeit.

Das Malen mit (Wasser-)Farben pflegt die Sinne.

Das Kind taucht in eine Welt mit der Möglichkeit, sich über die Farben auszudrucken.

Es kommen neue Farbkompositionen, die sich dem Kind mit der Zeit immer mehr erschließen, z.B. bemerkt es, dass aus der Mischung von Blau und Gelb Grün wird.

Während des Malens findet das Kind ganz zu sich und bekommt ein Bewusstsein seiner

selbst. Es findet innere Ruhe und Ausgeglichenheit.

Auch die Musik spielt in unserem Kindergarten eine wichtige Rolle und ist Bestandteil der

Waldorfpädagogik. Sie trägt zur Pflege der Sinne bei. Die Kinder haben während der Freispielzeit die Möglichkeit, sich nach Absprache Instrumente auszuleihen, z.B. Harfe, Rasseln, Schellenkranz und Glockenspiel.

Das tägliche Singen sowie die Reigen, Eurythmie und Lieder, die sich im Tagesablauf immer wieder finden, tragen zur besinnlichen Stimmung bei und wirken beruhigend und stärkend auf die Kinder.

 

Pentatonische- und Quintenlieder, besondere Liedformen, Kinder- und Volkslieder gehören zu unserem Kindergartenrepertoire.

Die Harfe bzw. Leier ist Bestandteil unserer Arbeit und wird z.B. am Anfang und Ende eines Puppenspiels eingesetzt.

Der zarte Klang der Harfe führt durch seine harmonisch wirkende Melodie zur aktiven Ruhe bei den Kindern.

 

Das Kind ist in seinem Element, wenn es draußen in Regenpfützen springt, im Garten tätig ist und hier z.B. in der Lehmecke matscht oder mit Sand im Sandkasten seiner Arbeit nachgehen darf. Hierbei werden Tast- und Geruchssinn angeregt, gestärkt und gepflegt.

Tier- und Pflanzenbeobachtungen ohne lange, abstrakte Erklärungen bilden ebenfalls

Geruchs-, Hör- und SehsinDie Kinder riechen den Duft des Waldes, sie atmen ihn ein, sie sehen und erblicken Blumen, hören die zwitschernden Vögel und das Rauschen des Wassers.

 

All dies trägt zur Pflege der Sinne bei.